Ein Interview mit Christof Rauch

Carinthian_Dreams – 8C

Der Österreicher Christof Rauch gehört sicherlich zu den derzeit besten Boulderern Österreichs und weltweit. Mittlerweile stehen neben 7 Bouldern im Grad Fb8c, weitere 580!!! Boulder im 8. Grad auf seiner Habenseite. Wenn man bedenkt, dass Christof einer der wenigen Amateure unter den Topboulderern ist, um so erstaunlicher ist es. Nach seiner Wiederholung des Boulders „Highländer“ Fb8b+/c führten wir mit ihm ein Interview:

Christof, du hast ja „erst“ 2008 angefangen zu klettern. Wie bist du zum Bouldern gekommen?

Mein Vater ist früher einmal ein bisschen geklettert, hat dann aber aufgehört. Irgendwann hat er mich dann gefragt ob wir nicht mal klettern gehen sollten und wir sind in ein kleines Sportklettergebiet im Zillertal gefahren. Anfangs war ich nicht so richtig begeistert aber es hat mir schon gefallen. Ein paar Wochen oder Monate später fragte mich dann ein Schulkollege, ob wir nicht klettern anfangen sollten. Anfangs waren wir teilweise ziemlich kriminell unterwegs was das sichern und klettern anbelangte aber es wurde immer besser und wir eiferten unserem damaligen Klassenkameraden Alfons Dornauer nach (der damals schon einige Routen im 8a-8a+ geklettert ist), natürlich waren wir Meilenweit weg und „eierten“ im 6a-Bereich herum. Doch die Ziele waren hoch und ich konnte gegen Ende des Jahres meine erste 7b+ Route klettern. Der Freund mit dem ich angefangen hatte, verlor leider nach ein paar Monaten die Motivation, doch ich fand bald Aushilfe durch Alfons und meinem Vater, vor allem durch das bereits sehr hohe Kletterkönnen von Alfons konnte ich viel lernen und war höchstmotiviert auch mal so schwer zu klettern.

Und gab bzw. gibt es Vorbilder?

Ja natürlich, da gibt es wohl einige. Meine größte Bewunderung hat natürlich Adam Ondra, er ist einfach eine eigene Liga!
Ich bewundere natürlich auch Kletterer wie Dai Koyamada, Daniel Woods, Chris Sharma, Jimmy Webb, Nalle Hukkataival und viele mehr.

Du betreibst ja den Klettersport auf hohem Niveau, aber als „Amateur“. In wie weit wirst du durch deinen Arbeitgeber unterstützt?

Direkt unterstützt werde ich eigentlich gar nicht, was aber eine große Hilfe ist, ist meine Arbeitszeit. Ich arbeite 38,5 h die Woche aber in nur 4 Tagen, das heißt ich habe normalerweise immer FR/SA/SO frei. Was meinen Wochenendtrips natürlich sehr zu gute kommt.

Gab es für dich je die Option „Profi“ zu werden?

Nein, das stand eigentlich nie zur Wahl. Dazu müsste ich schon einiges an Geld durch Sponsoren bekommen, ich werde jedoch „nur“ durch Kleidung und Crashpads von Moon Climbing und Kletterschuhen von Scarpa unterstützt.

Dir kann man ja ein gewisses Talent nicht absprechen, aber du trainierst doch sicherlich trotzdem. Wie oft trifft man dich pro Woche in der Halle an? Im Winter ja sicherlich öfter…

Ich würde mich nicht als besonders talentiert bezeichnen, weder vom physischen her (Statur, Größe, Kraft/Gewicht-Verhältnis) noch vom koordinativen Bewegungstalent. Ich arbeite einfach hart für meine Ziele und mache manchmal eine richtige „Doktorarbeit“ aus den leichtesten Lösungen einen Boulder-/Einzelzug zu bewältigen. Zum Beispiel wie genau meine Körperposition sein muss, wie genau ich einen Griff halte, wie ich die Bewegung einleiten muss, welcher Schuh am Besten ist, wie meine Haut sein sollte oder auch was ich trainieren muss um diesen Zug zu schaffen.
Zur Zeit trainiere ich meistens unter der Woche nach der Arbeit 1 mal zu Hause am Fingerboard und 1 mal in der Halle, am Wochenende bin ich eigentlich so gut wie immer 2 Tage am Fels unterwegs. Grundsätzlich bleibt das Sommer wie Winter gleich. Wenn man motiviert ist findet man immer irgendwas und ich bin kein besonders begeisterter Hallenkletterer. Haha.

Du hast ja doch recht hohe Ansprüche an die Bewertung. Bisher hast du ja sieben Fb8c auf deinem Konto. War „The Story of Two Worlds (low start)“ für  dich keine Fb8c+?

Mit meiner Lösung war es keine 8C+, so wie Dai Koyamada den Boulder geklettert ist, kann ich mir gut vorstellen das es 8C+ ist. Es ist echt beeindruckend wie stark der Typ ist! Zum Beispiel wie er an dem flachen „Rail“ in der Mitte des Boulder, im Volldach, die Füße kommen lässt und an die Dachkante holt!

Du bist ja meist regional in Österreich, der Schweiz und Deutschland unterwegs. Würden die die großen Bouldergebiete, wie die Rocklands z. B.  auch reizen oder reicht Dir das unerschöpfliche Potential vor Ort?

In Italien bin ich auch öfter unterwegs ;-). Ich fliege am 3. August für 3 Wochen nach Südafrika. Die Motivation für mehrere solche Klettertrips wäre extrem hoch aber da ich pro Jahr nur 5 Wochen Urlaub habe geht sich da leider nicht so viel aus…

Du kletterst ja sehr selten mit Seil, aus Zeit oder Lustgründen?

Ich liebe das Klettern mit Seil fast genau so sehr wie das Bouldern und ich habe ja eigentlich auch am Seil angefangen aber ich finde es sehr schwer mit dem Bouldern zu kombinieren. Wenn ich öfter in den Pump reinklettere verliere ich extrem schnell meine Maximalkraft und bin dann beim Bouldern halt nicht so fit. Würde aber sehr gerne wieder mehr Zeit am Seil verbringen. Vielleicht ja nach Südafrika.

Was hast du noch für Ziele?

Zur Zeit habe ich eigentlich keine richtigen Projekte die man jetzt sinnvoll probieren kann. Im Herbst hätte ich aber schon wieder viel zu viele Projects in viel zu vielen Gebieten. Was ich heuer aber unbedingt abschließen möchte, wenn meine Schulter mitspielt, ist „In search of time lost“ 8C im Magic Wood.

Hast du Boulder, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind? Zu viele um sie hier alle aufzuführen. Bei den meisten meiner schweren Boulder hab ich sehr schöne aber manchmal auch ein paar schlechte Erinnerungen.

Mit „Bokassas Fridge – Assasin, Monkey and Man“ in Kochel ist der vielleicht „erste“ Fb 8C+ Boulder der Welt noch unwiederholt. Warst du schon mal in Kochel und würde es dich reizen?

Ja, ich war schon sehr oft in Kochel. Ich habe den Boulder auch schon ein paar mal probiert und war gut dabei. Leider habe ich mir dann aber im Frühjahr durch die weiten Züge (für mich total auf Spannweite) die linke Bizepssehne ziemlich lädiert und musste dieses Projekt auf Eis legen. Ich habe seit dem auch immer wieder mehr oder weniger Probleme mit meiner Bizepssehne. Zur Zeit mache ich viel Ausgleichstraining und Physiotherapie und hoffe das ich den Boulder im Herbst wieder probieren kann.

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