Gebietsvorstellung – Bornholm

„Denk ich beim Ostseeurlaub an Klettern in der Nacht bin ich um den Schlaf gebracht“ so ging es mir, bevor ich bei der Planung für den Sommerurlaub auf Bornholm stieß. Die einschlägigen Websites verhießen Gutes, endlose Strände, kleine idyllische Städtchen, nette Leute und eine wundervolle Landschaft. Ja und natürlich noch etwas ganz Wichtiges, Felsen in Klippen sowie in Steinbruchform und bis zu 60 Meter hoch. Nach weiterer Internetrecherche stieß ich auch noch auf einen Kletter- und Reiseführer. Dieser wurde vorbereitend bestellt und siehe da, es gab schon einen Fundus von ein paar hundert Wegen, auf die man zurückgreifen konnte. So war die Vorfreude auch bei mir recht groß.

Nach recht langer Anreise Autobahn und Fähre ab Sassnitz erreichten wir Mitte August bei bestem Wetter die Insel. Diese Wetterlage sollte sich zum Glück bis zum Urlaubsende nicht mehr ändern. Neben den bei diesem Wetter üblichen Strandbesuchen ging es natürlich auch Klettern. Vorab sei zu bemerken, dass es auf Bornholm zwei recht unterschiedliche Spielarten des Kletterns gibt, nämlich gut gesichertes Sportklettern in zwei Steinbrüchen (Vangbruddet und Moseløkken Stenbrud) und das auf den Rest der Insel verteilte traditionelle cleane Klettern. Fast alle Kletterziele befinden sich im Nordwesten der Insel. Es dominieren die teilweise recht hohen Granitfelsen die Küstenlinien.

Hier befinden sich auch die drei großen für das Klettern freigegebenen Steinbrüche. Neben den beiden schon genannten Brüchen liegt hier der idyllisch gelegenen Hammerbruddet. Dieser bietet durch den zentral gelegenen See auch Möglichkeiten zum Deep water soloing. Die Klettereien im trockenen Teil sind teilweise recht anspruchsvoll, da das Gestein nicht unbedingt fest ist und die Wege selbst abgesichert werden müssen. Beeindruckend ist die Route „Legenden“, eine 40 Meter lange Rißverschneidung. Wer hier Spaß haben will, sollte den oberen Achten Grad beherrschen. Aber es gibt auch leichtere, gut gesicherte Routen, wie zum Beispiel den „Hammercracket“ (etwa VI+ UIAA), einer der großen Inselklassiker im Bruch. Dieser lässt sich hervorragend absichern. Daneben befinden sich im Sektor „Chip und Chap“ noch einige schöne leichtere Klettereien, die sich meist gut absichern lassen. Wer sich nicht traut, kann vorher ganz gut eine Toprope einrichten. Was man wissen sollte, im Hammeren bruddet ist man nie allein, was auch an den zur Landschaftspflege eingesetzten „Hammerknuden får“ (Schafe) liegt. Außerdem sind zahlreiche Wanderer im Steinbruch unterwegs, um die traumhaften Ausblicke auf die Seen und gen Hammershus zu genießen.

An den ersten Tagen besuchten wir die beiden (einzigen) freistehenden Felsen Dänemarks. Klugsch… werden jetzt bemerken, dass es auf Bornholm noch ein paar mehr freistehende Felsen gibt, diese sind aber für den Klettersport gesperrt. Die beiden genehmigten Felsen befinden sich küsten- aber leider nicht strandnah. Der “Krogeduren” unweit südlich von Vang (ein beschauliches Hafendörfchen) und den “Tarnet Baily” bei den Helligdomsklipperne. Bei beiden Felsen muss man sich, mangels vorhandener Haken, auch Gedanken über das Runterkommen machen. Auf dem Tarnet Baily befindet sich ein Gipfelbuch mit sehenswerter Buchkassette. In der Nähe dieser beiden Felsen befinden sich noch einige sehr lohnende Kletterziele vom zweiten schon oben erwähnten Steinbruch, noch den Lænestolsvæggen mit 23 Routen, den Solovæggen mit fünf Kindertouren im 3. und 4. UIAA-Grad, sowie den für uns imposanten Slagboltvæggen. Letztere Wand zeugt noch aus einer Zeit, wo auch an den Klippen Bohrhaken (Slagbolt) verwendet wurden. Heutzutage würde ich auf alle Fälle ein Crashpad empfehlen. Die Klettereien rund um Helligdomsklipperne/ Røstad bieten eine Vielzahl verschiedenster Klettereien. Hier lohnt vor allem ein Besuch der Måneskinsklippen und des Lindeskovsvæggen. Unweit östlich befindet sich mit Randkløve ein für die Insel typischer Grabenbruch, welcher eine Vielzahl von Kletterrouten bietet. Leider haben wir es nicht geschafft, dem Gebiet einen Besuch abzustatten.

Völlig gegensätzlich ist die Kletterei im Moseløkken Stenbrud. Hier befinden sich mittlerweile über 100 gut gesicherte Sportkletterrouten bis in den oberen siebten Franzosengrad. Wer sportlich ambitioniert mit Bohrmaschine unterwegs ist, findet hier noch Potential für schwere Neutouren. Dabei sollte allerdings auf weitere Erstbegehungen am Laustvæggen verzichtet werden, da hier bereits eine hohe Routendichte erreicht ist. Beachtet werden sollte, dass im Bruch nur am Wochenende und nach Arbeitsschluß (etwa 17 Uhr) geklettert werden darf. Bitte innerhalb der Woche am besten im Steinbruchmuseum oberhalb des Bruches nachfragen. Für Familien und für Boulderer bietet sich ein Besuch der Hammerkysten an. Diese liegt ganz im Nordwesten der Insel etwa 500 Meter vom Hammerfyr-Leuchtturm entfernt. Ziele wie Lindesdal (auch Hovedvæggen genannt), Indsatsvæggen und Salewavæggen bieten genügend Kletterspaß für die ganze Familie. Am Salewavæggen befindet sich, neben einem der seltenen Bohrhaken am Ausstieg, mit „Flydende Salewa“ eine der großen Klassikerrouten der Insel. Nur Mut, wer den oberen sechsten UIAA-Grad beherrscht und mit Klemmkeilen umgehen kann, wird hier höchsten Klettergenuß finden. Links daneben fand sich für uns noch eine „Klasseneutour“. Die „Traumkante“ bietet ebenso herrliche Kletterei wie der Nachbarweg. Ein Erlebnis ist schon das Abseilen in die „tosende“ Gicht, also als Tipp möglichst nicht bei Westwind klettern. Oberhalb des „Lindesdales“ befinden sich an den goldgelben, rauen Granitblöcken ungezählte Boulderprobleme, welche noch nicht mal im Ansatz erschlossen sind. Empfehlenswert für den geneigten Trad-Kletterer sind die Klippen südlich „Jons Kapel“. Einem der touristischen Hotspots der Insel. Hier soll Jon ein Eremit und Missionar gepredigt haben. Dieser wurde nach Bornholm gesandt, um das Christentum auf die Insel zu bringen. Er ließ sich in einer Höhle in den Felsen nieder. Hier finde man teilweise überhängende bis zu 35 Meter hohe Felsen mit einer derzeit sehr überschaubaren Routendichte. Hier konnten wir auch mit “Jons Lange March” die derzeit längste Route auf Bornholm erschliessen. Zum Schluss ein Hinweis: außer im Moseløkken Stenbrud, wo größtenteils die französische Skala verwendet wird, ist allgemein die Skandinavische Skala üblich. Diese ähnelt der UIAA-Skala, weicht aber in den Graden 6 und 7 doch recht deutlich von dieser ab. Dies sollte man bei seiner Routenauswahl berücksichtigen.

Vielleicht noch ein paar allgemeine Hinweise: Wir haben uns auf Bornholm ein Ferienhaus gemietet. Wer es billiger mag, kann an vielen Stellen zelten. In der Nähe des Moseløkken Stenbrud existiert ein kleiner gemütlicher Zeltplatz. Auch in Sandvig unterhalb des Hammerbruddet existiert ein schöner, fast am Wasser gelegener Campingplatz. Überall auf der Insel gibt es auch die “Dan Hostel”. Der Standard ist mit Jugendherbergen vergleichbar. Die Restaurantpreise liegen doch um Einiges höher als im Deutschland, dass betrifft vor allem die Getränkepreise. Wir haben meist einfach einen größeren Krug Leitungswasser bestellt. Dies war nicht umsonst, aber doch viel günstiger. Wer Fisch essen möchte, dem seien die Buffets (all you can eat) in den Røgeri (Räuchereien) empfohlen. Hier lohnt ein Preisvergleich, Preiswert war in Allinge die „Allinge Røgeri“ http://allinge-rogeri.dk/. Mit Ess- und Trinkbaren kann man sich recht günstig in den Supermärkten eindecken. Wichtig ist, dass meist nur mit Dänischen Kronen bezahlt werden kann. Ebenso wird gern gesehen, wenn man etwas Dänisch kann. Man kommt aber mit Englisch und meist auch mit Deutsch ziemlich weit.

Obwohl nur rund 40 Kilometer südlich von Schweden, aber rund 150 Kilometer von Kopenhagen entfernt liegend, gehört Bornholm zu Dänemark. Die Insel markiert damit den östlichsten Punkt des dänischen Hoheitsgebiets. Die größte Entfernung von Küste zu Küste mißt auf Bornholm gerade einmal 40 Kilometer. Mit einer Fläche von 588 km² ordnet sich die Insel verglichen mit deutschen Großstädten zwischen Hamburg und Köln ein. Auf der Insel leben aktuell ca. 40.000 Einwohner, ein Drittel (14.000) davon allein in der Inselhauptstadt Rønne. Sie ist zugleich das Verwaltungs- und Einkaufszentrum Bornholms. Die Küstenlinie hat eine Länge von rund 160 Kilometer, auf Küstensteigen läßt sich der überwiegende Teil dieser wandernd erschließen. Der Rytterknæggten (Reiterknecht), der die Ostsee um 162 Meter überragt, ist die höchste Erhebung der Insel. Das meist sehr angenehme gemäßigte Seeklima mit recht milden (aber auch schneereichen) Wintern und angenehm temperierten Sommern hat Bornholm auch den Beinamen „Ibiza des Nordens“ eingebracht. Mit einer jährlichen Niederschlagsmenge von nur 600
bis 800 mm ist die Insel statistisch der trockenste Teil Dänemarks. Die beste Reisezeit ist von Ende Juni bis in den September hinein. Wer nur zum Wandern oder Klettern auf die Insel kommt, für den können auch die Zeiträume Mai – Juni bzw. September – Oktober reizvoll sein. Allerdings sollte im Herbst mit etwas mehr Niederschlag gerechnet werden.

Literatur:
Kletterführer Bornholm – Bornholm on the Rocks (www.geoquest-verlag.de). Ende 2019 bzw. Anfang nächsten Jahres erscheint der Kletterführer in der 2. starke erweiterten Auflage!

Websites:
Bornholm Online Kletterführer
Die deutschsprachige Inselseite
Offizielle Webseite des Bornholms Velkomstcenter (Tourismusverband)

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