Neues aus den Klettergebieten: Boulderstatement der IG Klettern "Frankenjura, Fichtelgebirge und Bayerischer Wald" und des DAV

Für das Klettergebiet Nördlicher Frankenjura, als das sicherlich größten Bouldergebiet in Deutschland, werden nur wenige Boulder veröffentlicht. Diese Ausnahmen befinden sich in der Nähe oder direkt an offiziellen Klettermassiven.  Schuld daran ist der sogenannte Boulderappell, eine Art selbst auferlegte Verschwiegenheitsverpflichtung einheimischer Kletterer.

Nachdem in den 1990er Jahren das Bouldern langsam zu einen „Breitensport“ wurde und auch einige Bouldergebiete in Kletterführern veröffentlicht wurden, kam es zu ersten Problemen mit Grundstücksbesitzern und den Naturschutzverbänden. Die wichtigsten Grundsätze der Selbstverpflichtung: keine Veröffentlichung von Bouldergebieten in Boulderführern und im Internet sowie keine Boulderkurse am Fels.

Wir haben uns schon vor fast zwei Jahren darüber Gedanken gemacht, mit einem recht eindeutigen Ergebnis. In unserer Umfrage sprach sich etwa die Hälfte dafür aus, dass Boulder zukünftig auch veröffentlicht werden können.

Bedingt durch die Coronapandemie zieht es immer mehr Menschen in die Natur und zum Bouldern. Dies führt auch dazu, dass der „Freizeitdruck“ auf die Natur zugenommen hat. Um dies in naturverträgliche Bahnen zu lenken, besteht seitens des Naturschutzes der Wunsch die Freizeitaktivitäten stärker zu steuern. Infolgedessen haben einzelne Naturschutzbehörden den Wunsch nach einer stärkeren Lenkung des Boulderns geäußert. Um euch auf den Stand der Dinge zu bringen, fassen wir relevante Infos zum Status Quo des Boulderns im Frankenjura bündig zusammen und geben einen Ausblick auf mögliche Entwicklungen.

Zum Glück gibt es momentan keine akuten größeren Probleme. Von einzelnen Problemen mal abgesehen. Allerdings besteht seitens einzelner Naturschutzbehörden der Wunsch nach einer zumindest mittelfristigen Lenkung des Boulderns im Frankenjura. Wie, wo und ob tatsächlich gelenkt werden soll, ist dabei noch vollkommen unklar. Behörden und Kletterverbände sind sich nach ersten Gesprächen darin einig, dass Maßnahmen nur unter Beteiligung der Boulderszene geplant und umgesetzt werden können.

Nun hat sich auch die ortsansässige IG Klettern zusammen mit dem DAV dazu Gedanken gemacht und folgende Lösungsmöglichkeiten in Gesprächen mit den Behörden zur Lenkung des Boulderns entwickelt:

Zusammenfassung und Lösungsansätze der IG

Boulderkonzept

Die Erstellung eines Boulderkonzepts analog zum Kletterkonzept würde bedeuten, jeden Felsen, an dem bouldern möglich wäre, zu erfassen, zu zonieren und gegebenenfalls sogar zu beschildern. Dies erscheint Behörden und Kletterverbänden aufgrund der riesigen Zahl von kleinen Felsen als eine nicht zu leistende Aufgabe.

Boulderverbote für größere Gebiete

Ein weiterer denkbarer Lösungsansatz ist das Bouldern auf größeren Flächen zu verbieten. Dies dürfte zu Widerständen und wenig Akzeptanz in der Boulderszene führen und stellt für die IG-Klettern und den DAV im Sinne eines einvernehmlichen Konzepts keine Option dar.

Durch das Ausweisen von Gebieten, in denen Bouldern erlaubt ist und anderen Gebieten, in denen es verboten ist, ließe sich der Besucherstrom steuern. Doch hat jedwede Lenkung Auswirkungen in zwei Richtungen. Bestimmte Gebiete werden entlastet und andere Gebiete stärker belastet, wodurch wieder neue Probleme entstehen können.

Boulderappell aktualisieren

Behördlich angeordnete Lenkungsmaßnahmen zu einer stärkeren Einschränkung des Boulderns als freiwillige Selbstbeschränkung. Denkbar ist daher auch eine Überarbeitung des Boulderappells mit einer Anpassung an die heutigen Gegebenheiten und einer stärkeren Verbreitung des Appells.

Unsere Position

Als Kletterverbände streben die IG Klettern und der DAV einvernehmliche, freiwillige Lenkungsmaßnahmen an. Sie wollen starre Verbote vermeiden. Bouldern soll im Rahmen der bestehenden gesetzlichen Regelungen und der selbst auferlegten Beschränkungen weiterhin frei möglich sein.

Beteiligung

Keine dieser Lösungsmöglichkeiten ist in irgendeiner Form fixiert. Das Ziel dieses Textes liegt darin, die Szene zu informieren und zu sensibilisieren. Lösungen können aus Sicht der Kletterverbände nur unter Beteiligung der Boulderinnen und Boulderer erarbeitet werden.

Deswegen bitten wir euch um eure Meinung, eure Ideen und um sachliche Beiträge, entweder als Kommentar zu diesem Beitrag oder auch gern per E-Mail direkt an die IG Klettern.

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