Alexander Huber: Eine Reise in die Wüste (Oman)

Einer der beiden Huberbuam Alexander Huber war zusammen mit Guido Unterwurzacher, Jakob Oberhauser und Read McAdam im Oman unterwegs, um auch in der weltberühmten Höhle Maljis al Jinn zu klettern.

Ein Bericht von Alexander Huber

Gerade jetzt, im Januar 2020, endete eine lange Ära. Über den fast unvergleichlichen Zeitraum von 50 Jahren schaffte es Akba als Sultan von Oman, sein Land auf einen langsamen, kontinuierlichen Weg in die heutige Zeit zu bringen.

Als Sultan war er ein Alleinherrscher mit absolutistischem Verständnis von Machtverteilung. Opposition gab es unter seiner Herrschaft nicht, war weder gewünscht noch toleriert. Und trotzdem hat man als Gast in diesem Land den Eindruck, dass es in diesem Fall dem Land gut getan hat. Der arabische Frühling hat in so vielen Ländern Unruhe gebracht, hier im Oman sicherte der Sultan die Stabilität. Als Reisender erfährt man hier ein offenes Land, eine hohe Gastfreundlichkeit und ein Gefühl der Sicherheit.

Jakob Oberhauser ist ein österreichischer Bergführerkollege, dem ich in den Alpen immer wieder mal über den Weg gelaufen bin. Als Bergführer hat sich der Joggl aber wie kein anderer mit dem Bergsteigen und Klettern im Oman auseinandergesetzt. Seit über 15 Jahren verbringt er einen Großteil des Winters im Südosten der Arabischen Halbinsel und kennt das Land wie kaum ein anderer Bergsteiger.

Fotostrecke: Alexander Huber im Oman

Erst als ich im letzten Winter bei einem Ausbildungslehrgang des OeAV wieder auf den Joggl traf, wurde das Projekt neu aufgesetzt. Und der Joggl war hartnäckig genug, bis es dann Ende November hieß: wir haben das Permit. Eine Woche. Im Dezember.

Mit dabei noch mein „Koasabluad“-Mitstreiter, der unterwurzacherische Guido, und Read McAdam, mit dem ich seinerzeit schon das omanische Tourismusministerium bearbeitete. Und alle waren wir jetzt gespannt darauf, was uns in der Höhle erwartete!

Die erste Überraschung kam mit dem Permit, denn am Ende war es, zur Überraschung aller, nur ein Zwei-Tages-Permit. Für „Into the Light“ grenzwertig, aber umso motivierter waren wir dann für Joggls Idee, durch das zweite Loch mit einer natürlichen Linie auszusteigen…
140 Meter schwebt man freihängend in den weitläufigen Hallenboden, gute vierhundert Meter im Durchmesser. Das einfallende Sonnenlicht erzeugt in der feuchten Höhlenluft magische Strahlen. Beeindruckend. Gewaltig. Der Ausstieg über die zweite Deckenöffnung schaut gut machbar aus, ideal um mit Keilen und Friends als Sicherungen auszukommen.

Read macht sich auf den Weg und schnell wird klar, dass mit dem Gelände hier nicht gut Kirschenessen ist. Wegen der fehlenden Erosion durch Wind und Wasser ist selbst eine solide erscheinende Felsoberfläche immer wieder ein einziger loser Schutthaufen. Es braucht einfach viel Arbeit und Geduld, diese fehlende Erosion durch Abräumen zu ersetzen, bis man am Ende auf den darunterliegenden, soliden Fels trifft. Plaisirklettern schaut anders aus!

Aber es ist eben gewaltig, es ist beeindruckend und unvergesslich, in diesem unvergleichlichen Ambiente zu klettern. Nach den ersten zwei überhängenden Seillängen wird der Fels senkrecht und sofort wird der Fels kompakt und fest. Die Erosionskraft des Wassers, was wäre der Fels ohne sie! Als internationale – tirolerisch- bayerisch-kanadische – Seilschaft steigen wir dem Licht entgegen. Nach drei Jahren des Wartens und sechs Seillängen Klettern war es so weit: “Out of the Dark”. Kein unbedingt schwieriger, aber umso eindrucksvollerer Weg. Wenn das kein Grund zum Feiern ist!!!

Nach der Feier, am nächsten Morgen dann die Frage: was machen mit der freigewordenen Zeit? Unser Fokus war ja eigentlich nur auf diese berühmte Höhle gerichtet… Egal, der Joggl sprühte nur so vor Ideen. Die erste Idee war dann auch nicht weit weg von der Maljis al Jinn, nur wenige Kilometer sind es zur nächsten gewaltigen Höhle. Beim Seventh Hole geht es 120 Meter in die Tiefe und als erste kletterten hier der Joggl und der Read zurück an die Oberfläche. Aber ähnlich wie an der berühmten Nachbarhöhle gibt es auch hier einen alternativen Ausgang. Ein sehr schmaler, senkrechter Tunnel zieht 80 Meter senkrecht aus der 40 Meter hohen Höhlendecke nach oben. Ein furchterregender, schwarzer Kamin, eine ganz andere Erfahrung als in den sonst sehr großräumigen Hallen. Hier wird es richtig finster.

Zuerst nehmen der Guido und ich uns den Start ins dunkle Abenteuer vor. Die weitüberhängende Hallenwand, die zum Beginn des dunklen Kamins führt. Eine nach unten offene Verschneidung zieht im 45-Grad-Winkel nach außen bis ein schwarzes Loch im Überhang verschwindet. Drei Meter geht es den negativen Überhang nach unten, dann drei Meter waagrecht raus. Wenn es hier nicht gute Griffe hätte, dann könnte das von der Steilheit locker einen Zehner abgeben. So ist es eine spektakuläre Stelle im achten Grad und bringt uns zum Beginn des dunklen Tunnels, der jetzt senkrecht nach oben zieht. Tiefschwarz, fast vollständig dunkel, geht es in jetzt bei moderaten Schwierigkeiten nach oben. “Tunnel Vision“ erscheint uns hier der passende Name für etwas, was ich so woanders noch nicht gesehen habe. Eine Reise in eine andere Welt.

Unten an der Küste erwartete uns ein echt brillantes Abendessen in einer Straßenwirtschaft. Sehr gastfreundlich, sehr aufgeschlossen zeigt sich hier der Oman von seiner besten Seite. Danach suchen wir uns eine Bucht mit Sandstrand an der Oman Sea. Besser geht es nicht.

Auch die verbleibenden vier Tage nutzen wir noch weidlich aus. Und jetzt ging es ins alpine Gelände, von dem die Berge des Oman reichlich zu bieten haben. Und vieles wie bei uns vor hundert Jahren: Klassische Felswände, die unbeklettert auf die Aspiranten warten. In einem wunderschönen Tal der tausend Palmen, dem Wadi Tiwi, eröffnen wir an einem Tag an derselben Wand zwei Erstbegehungen. Der Guido und ich klettern in neun Seillängen mitten durch die Wand. Der „Wadi Racer“ ist zwar „nur“ ein Achter, aber dafür aufgrund seiner puristischen Machart trotzdem auf hohem Niveau. Der Joggl, der Read und seine Ola ersteigen erstmals den die Wand rechts begrenzenden Pfeiler. Für sowas braucht man eben viele freie, unerschlossene Wände.

Zu guter Letzt mussten wir uns doch noch ohne unseren „Guide“ auf dem Weg machen, weil auf den Joggl und die anderen Arbeit wartete. Die letzten zwei Tage verbringen wir am Jebel Kwar, ein großer Berg, eine große Wand, gute zwei Stunden von Muscat. Unsere größte Route, Rihlat Saeida, eine „gute Reise“ durch dieses große Bollwerk. Mit viel Spürsinn arbeiten wir uns geschickt durch den wunderschönen, grauen Kalk. Wieder ist es schwierig mit der Absicherung, weniger sind es die reinen Schwierigkeiten. Wie im Wadi Tiwi macht es die Summe. Ein großartiges Erlebnis in einer wunderbaren Welt.

Zehn Tage, zwei Höhlen, zwei Wände, vier Erstbegehungen, 33 Seillängen, Freunde und freundliche Gastgeber. Das war die Reise wert!

Text und Bilder: (c) Alex Huber

Instagram: alexander_huberbuam; 
Internet: www.huberbuam.de

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