Simon Gietl und Mark Oberlechner mit Neutour in der Peitlerkofel Nordwand

Simon Gietl und Mark Oberlechner gelang am 26. Januar in der Peitlerkofel Nordwand die Neutour „Kalipe“ Die Mixed-Route ist 700 Meter lang und bis zu M6 schwer. Lassen wir mal Simon selbst zu Wort kommen:

Bereits vor vier Jahren war mir die imposante Eisspur auf der Nordseite des Peitlerkofels aufgefallen. Bei jeder Fahrt Richtung Bruneck zog dieser dünne hellblaue Streifen in der markanten Nordwand meine Aufmerksamkeit auf sich. Dennoch wurde aus der Idee dort zu klettern nie ein konkreter Plan. Aber diese mögliche kletterbare Eislinie zu vergessen, war unmöglich. Im heurigen Winter hatte sich diesselbe wieder sehr gut gebildet und dies deutete daraufhin, dass die Eislinie möglicherweise gute Bedingungen aufwies. Der Reiz wurde spürbar größer und die Idee sollte diese Mal zu einen fixen Plan reifen. Am 18. Januar fuhr ich dann hoch aufs Würzjoch, um mir die Wand aus der Nähe anzuschauen und einige Fotos zu machen. „Diese Linie muss geklettert werden“, dachte ich mir und schmiedete bereits einen möglichen Schlachtplan. Die Motivation und Begeisterung konnte ich kaum noch verbergen. Mehrere Tage musste ich ständig über die Eisspur nachdenken. In meinem Kopf verschmolzen Erwartungen und Vorstellungen bereits zu einem spannenden Szenario. Dieses Kopfkino musste real werden……

Mit Mark Oberlechner konnte ich einen ebenfalls sehr motivierten Partner finden.  Einige Tage Tage vorher wollte ich mir nochmals die Situation am Peitlerkofel genauer anschauen. Dabei war Davide Prandini mein Seilpartner. Wir spurten die ersten sechs Seillängen. Auch er war ebenso begeistert von der geplanten Linie. Unser Augenmerk galt der Schneesituation und der möglichen Linienführung auf der Eisspur. Darüber hinaus kreisten meine Gedanken ständig um eine mögliche Eintages Begehung. Am 26. Januar um 6.30 Uhr stiegen Mark Oberlechner und ich dann voller Motivation und Konzentration ein.  Dabei lag der Fokus bereits auf eine rasche Nonstop Eintages Begehung der Route. Material und Ausrüstung waren daruf abgestimmt. In den ersten Seillängen machte uns ein stürmischer kalter Nordwind das Klettern schwer. Die ohnehin schon tiefen Temperaturen fühlten sich so noch um einiges frostiger an. Bis zum Einststieg der markanten Eisspur kletterten wir alles simultan. Die Eisspur war schließlich ebenso heikel wie schwierig. Die Schlüsselseillänge enpuppte sich als sehr ernstahftes Unternehmen. Eine verlässliche Absicherung war kaum möglich. Mit voller Konzentration und größter Vorsicht gelang es uns diese Länge, in der Stürzen strengstens verboten ist, zu meistern. Nachdem die Eislinie ihre Steilheit spürbar verliert, wird das Klettern wieder entspannter und auch technisch einfacher. Charakteristisch waren die vielen gefrorenen Schneepolster und die sehr dünne Eisauflage. Wir waren mehr als glücklich, die Schlüssellänge gemeistert zu haben. Neben der sehr heiklen Art der Kletterei machten unds noch unzählige Spindrifts das Leben schwer. Mit dem geneigtem Gelände nahm auch die Möglichkeit zuverlässige Standplätze einzurichten wieder zu. Dennoch war das Anbringen von Zwischensicherungen sehr schwierig. Nach ca. 200 Meter war die Eisspur zu Ende. Nachher zeigten uns ein logischer Kanal und ein Schnnegrat die Linie zum Gipfel. Bis dorthin waren noch einige sehr anstrengende Höhenmeter im lockeren Tiefschnee zu absolvieren. Um 11.50 Uhr konnten wir uns überglücklich die Hände reichen und uns ein herzliches Bergheil wünschen. Ein ganz besonderes Gefühl machte sich breit. Dennoch galt es noch vorsichtig den Abstieg entlang des Normalweges zu bewältigen. Die angespannte Schneesituation ließ uns nochmals vollste Konzentration walten zu lassen.   

Technische Daten:

„Kalipe“

Wandhöhe: 600m bei einer Routenlänge von 700m

Schwierigkeit: M6 

5 Haken belassen

Material: Kompletter Satz Friends, eventuell Hammer und Haken

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