Osttiroler Marende (7b) – Erstbegehung im Rienztal

Martin Wibmer und Peter Marhartsberger konnten diesem Sommer an der Rienzwand ihre Neutour „Osttiroler Marende“ fertigstellen. Die Rienzwand befindet sich zu Füßen der Drei Zinnen in den Sextener Dolomiten.

Erstbegehung: Martin Wibmer und Peter Marhartsberger im Sommer 2018 &
Sommer 2020. erste Rotpunktbegehung am 25.07.2020
Länge und Schwierigkeit: etwa 300 Meter, 10 Seillängen bis 7b
Charakter: sehr abwechslungsreiche Wandkletterei auf kompakten Fels. In der
Schlüssellänge dominiert Ausdauerkletterei an guten Griffen.
Ausgangspunkt und Zustieg: Höhlensteintal direkt an der Straße parken (gratis). Der große Parkplatz drinnen ist kostenpflichtig (Stand Sommer 2020)
Zustieg: in das Rienztal Wandern Bis unter die Rinzwand. Auf der anderen Bachseite steht ein großer Steinmännern
darauf. Hier über den Bach queren und gegebenenfalls ein Rucksackdepot machen. Durch den lichten Wald führt ein Weg zum Wandfuß der Rienzwand. wo die Tour „Hat Spaß gemacht“ startet. Den Wandfuß entlang nach links folgen. Die Schotterreiße links bei Steinmännern queren. Weglos lt. Foto zum Wandfuß und über das Band (I-II) zum Einstieg gehen. Dauer: ca. 1,5 h
Material: nur Expressschlingen notwendig 12 Stk.
Abstieg: Die Tour ist zum Abseilen eingerichtet. Nach der 8. St. ist dies nicht mehr
zu empfehlen. Es ist dann besser eben auszusteigen. Dann durch die Latschen zurück und noch bei der Langolbe bei Peppe und Kathi auf ein TAB einkehren ;-). Danach kurz Richtung Osten und über mit Steinmännern markierten Weg zurück ins Rienztal und zum Rucksack  oder Auto.

Mehr Info und Bilder unter: www.kunig.at

Hier der Bericht vom Peter:

Im Jahr 2010 ging ich mit Martin ins Rienztal zum Klettern. Damals ohne Vorstellungen und ohne Topo von der Tour, die wir an diesem Tag wiederholen wollten. Es handelte sich um die recht neue “Hat Spaß gemacht” an der Rienzwand vom Sextener Bergführer Hannes Pfeifhofer. Wir hatten hier einen super Tag und beim Abstieg brannten sich die Bilder der umliegenden Wände ein. Viele Jahre später erinnerte ich mich an diese Wände. Nach einem Bänderriss, den ich mir beim Bouldern zugezogen hatte, war mein erster Ausflug mit frisch verletzem Fuß ins winterliche Rienztal um diese Wände genauer anzuschauen. Mein Eindruck hatte mich nicht getrügt: es gab hier noch viel zu tun! Schließlich war es wieder Martin mit dem ich dieses Projekt anging.

Martin in der zweiten Länge

Martin in der zweiten Länge

die sehr kurze, dritte Länge

die sehr kurze, dritte Länge

Im Sommer 2018 investierten wir zwei Tage für die Erstbegehung, wobei uns am zweiten Tag ein Gewitter frühzeitig aus der Wand vertrieb. Ansonsten hätten wir es damals vielleicht schon zu Ende bringen können. Am Ende des ersten Tages kamen wir bis zum Fuße der Schlüssellänge, die sich im gelben Wandteil befinden sollte. Doch o Schreck: etwas links von uns hatte bereits jemand sein Lager aufgeschlagen und fast genau in der von uns gedachten Linie seine Linie verwirklicht. Ich wollte zunächst eine komplett eigenständige Linie etwas weiter rechts verwirklichen.

in der leichten, vierten Länge

in der leichten, vierten Länge

die sehr schöne fünfte Länge besticht durch tollen Fels

die sehr schöne fünfte Länge besticht durch tollen Fels

Start in die Schlüssellänge

Start in die Schlüssellänge

Aber große und unsicher zu scheinende Blöcke ließen mich von der Idee abkommen. Schließlich entschlossen wir uns doch den bereits erstbegangenen Wandteil anzugehen und bohrten zumindest “unsere erste Hälfte” der gelben Länge ein. Danach schien das andere Projekt noch nicht weiter gemacht worden zu sein. Im Sommer 2019 war Martin dann den ganzen Sommer in Südamerika, was dazu führte dass wir die Tour nicht abschließen konnten. Im Sommer 2020 hingegen klappte es wieder und wir bohrten an einem dritten Tag die Tour fertig ein. Das andere Projekt war noch im selben Zustand wie damals im Sommer 2018. Am Tag an dem wir unsere Ernte einfuhren wollten, kam auch noch Sabrina mit, um ein paar Fotos von der Schlüssellänge machen zu können und um eine außenstehende Meinung zu unserer Tour zu bekommen. Schließlich gelang zuerst mir und dann Martin die Schlüssellänge auf Anhieb. Obwohl wir eine ungefähre Ahnung der Länge hatten, war es dann doch ein ziemlicher Ausdauerkampf ohne ausgeprägte Schlüsselstelle.

steil und ausgesetzt

steil und ausgesetzt

Martin beim Nachsichern

Martin beim Nachsichern

die 7. Länge hat schönen Fels

die 7. Länge hat schönen Fels

und ist sehr luftig!

und ist sehr luftig!

Aber auch alle anderen Längen (mal abgesehen von den zwei leichten Ausstiegslängen) überzeugten von der Felsqualität und von der abwechslungsreichen Kletterei. Wie geplant stiegen wir dann zufrieden am Zinnenplateau aus und diskutierten dann bei Peppe auf der Langalbe bei ein paar Runden Hefeweizen noch über die Bewertungen und den Namen der Tour. Danke an dieser Stelle für die ausgeprägte Gastfreunschaft Peppe! Wir werden auf jeden Fall wieder einkehren, was auch allen anderen Kletterern an dieser Stelle empfohlen sein sollte :) Mit leichter Schlagseite torkelten wir dann zurück zu unseren Rucksäcken und zum Auto. Somit sind wir stolz darauf unsere neue Tour hiermit im Rienztal präsentieren zu können. Es handelt sich um abwechslungsreiche Kletterei an schönem Fels.

 

in der 8. Länge flacht die Wand ab

in der 8. Länge flacht die Wand ab

Die Rienzwand und ganz links der östliche Pfeiler

Die Rienzwand und ganz links der östliche Pfeiler

Selbstverständlich wird es noch lockeres Gestein geben (wir haben auch ordentlich geputzt), aber es gibt keine richtig brüchigen Passagen in der Tour. Es hat sich dann noch herausgestellt, dass das offene Projekt links von Josef Hilpold ist und bereits den Namen “Golden Delicious” trägt. Er wird die Tour voraussichtlich im August 2020 fertig stellen.

Topo "Osttiroler Marende"

Topo “Osttiroler Marende”

Mit seinem Einverständnis haben wir den Runout zum Standplatz in der Schlüssellänge noch mit einem weiteren Bohrhaken entschärft. Drei Tage nach unserer Rotpunktbegehung haben bereits Freunde von Martin die Tour wiederholt und waren von der Schönheit der Tour begeistert. Ich hoffe dass sie noch einige Wiederholer bekommen wird und wünsche allen viel Spaß damit.

 

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