Wintersport im Lockdown: Skitouren und Bergwandern in Coronazeiten

Immer mehr Leute sind gerade in der Coronazeit mit Tourenski oder Schneeschuhen in den Bergen unterwegs, was der Bergwacht und den Sicherheitsexperten, aber auch den Lokalpolitikern immer mehr Sorge bereitet. Denn für das Skibergsteigen braucht es Ausrüstung und Wissen. Insbesondere weil in diesem Jahr wegen Corona kein regulärer Pistenbetrieb herrscht.

So strömen sehr viele Freizeitsportler in die Berge. Das ist trotz Lockdown zwar erlaubt, aber nicht gern gesehen, da meist die Abstandregelungen nicht eingehalten werden können. Auch die Rettungswege werden zugeparkt und unter Umständen Rettungskräfte gebunden. Während zum Beispiel Garmisch-Partenkirchen die Parkgebühren an den Talstationen der Bergbahnen auf 15 Euro anhebt, um den Andrang einzudämmen, sind einige Parkplätze im Allgäu komplett gesperrt – zum Beispiel an der Alpspitzbahn in Nesselwang.

Seit Jahren und schon vor Corona war Skitourengehen das am stärksten wachsende Segment des Wintersports, nicht zuletzt durch das Engagement der Alpenvereinen. Ob man das Begehen von Pistenrändern in den klassischen Skigebieten, nun wirklich als „Skitour“ gilt, darüber mag man streiten, aber genau dies erfreut sich gerade zurzeit größter Beliebtheit. Im Fachhandel war zuletzt eine erhöhte Nachfrage nach Tourenskiern zu spüren. meist waren sie sogar ausverkauft.

Luggi Lacher von der Bergwacht Oberstdorf dagegen sieht das gelassen. Der Großteil der Toureneinsteiger würde sich ohnehin in bestehenden Skigebieten aufhalten, deren Infrastruktur auf weit größere Besuchermengen eingestellt sei, und die übrigen hielten sich zumeist an bekannte und etablierte Routen. Daneben bringe der Wegfall des regulären Pistenbetriebs eine ganz erhebliche Entlastung der Rettungskräfte mit sich.

Einzig dem Punkt der Lawinengefahr muss man in dieser Situation noch größere Aufmerksamkeit schenken. Wenn an Liften nicht präpariert wird, dann entfällt auch das präventive Absprengen von gefährlichen Lawinenhängen neben der Piste, das sonst für eine relative Sicherheit sorgt. Sprich: Auch auf der Piste herrscht die gleiche Lawinengefahr wie im freien Gelände!

Die Bergwacht hat daher drei Bitten an alle Tourenanfänger:

1. Geht zu Beginn kleine Touren und mit erfahrenen Begleitern oder am Besten gleich mit einem Bergführer.

2. Beachtet den lokalen Lawinenlagebericht.

3. Setzt euch intensiv, am besten in einem professionellen Kurs, mit der Funktion und Anwendung der LVS-Ausrüstung (Lawinen-Verschütteten-Suchausrüstung) auseinander – sie kann Leben retten.

Bergsport in Corona-Zeiten: Das sagt der DAV

Während des Frühlings-Lockdowns hatte der DAV geraten, aus Rücksicht auf Einsatzkräfte auf Touren in den Berge zu verzichten. Das ist dieses Mal aber nicht der Fall.
 
„Wir werden niemandem vom Ausflug in die Berge abraten. Die Leute sollen sich aber bewusst sein, was sie tun und sich möglichst zurückhaltend und im eigenen Umfeld bewegen“, sagt Thomas Bucher, Pressesprecher des DAV  

In einer Presseaussendung vom 16. Dezember hat der DAV seine Position noch einmal bekräftigt. „Bergsport an der frischen Luft ist auch in der aktuellen Situation erlaubt – und sinnvoll, weil er die physischen und psychischen Abwehrkräfte stärkt“, heißt es in der Aussendung.

Der DAV-Präsident Josef Klenner mahnt zur Besonnenheit: „Die Bergsportgemeinde muss ihren Anteil zur Eindämmung des Infektionsgeschehens beitragen. Dabei kommt es jetzt auf jede einzelne Bergsportlerin und jeden einzelnen Bergsportler an.“

Klenner appelliere daher an alle Bergsportler, in den Bergen Abstand zu halten, die Touren vernünftig zu planen und deutlich unter der Leistungsgrenze zu bleiben. Hotspots sollten vermieden und auf Touren im Zweifelsfall auch einmal verzichtet werden.

Auf seiner Website hat der DAV acht grundsätzliche Empfehlungen zur Ausübung von Bergsport in Coronazeiten aufgestellt:

  1. Nur gesund in die Berge
  2. Bergsport nur in erlaubten Gruppengrößen betreiben
  3. Vorsicht bei Grenzübertritten
  4. Abstand halten, wenn kein Mindestabstand möglich ist, Mund-Nasen-Schutz verwenden
  5. Gewohnte Berg-Rituale (Händeschütteln, Umarmungen, etc.) unterlassen
  6. Mund-Nasen-Schutz und Desinfektionsmittel mitnehmen
  7. Bei Fahrgemeinschaften die zugelassene Personanzahl beachten, wenn gering frequentiert die Anreise mit ÖPNV bevorzugen
  8. Im Notfall nach den üblichen Erste-Hilfe-Regeln vorgehen und Mund-Nasen-Schutz verwenden

Ähnliche Empfehlungen gibt es vom Verband alpiner Vereine Österreichs (VAVÖ)

Foto: (c) Markus Stadler


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