Ein Interview mit Mirit „Mile“ Heyden

Vor zwei Jahren war die Deutsche Mirit „Mile“ Heyden vermutlich als erst vierte Frau, welche mit den Boulder „New Base Line“ (8B+) im Magic Wood in der Schweiz einen Boulder in diesem Schwierigkeitsgrad klettern konnte. Wir haben mit der „Neumama“ ein Interview geführt.

Zur Person:
Alter: 31

Beruf: Geoökologin

Beziehungsstatus: verheiratet

Lebt: Metzingen am Albtrauf

Mit: Matti, Ida und Tinka

Hält: Tickmarks für überflüssig, man kann sich auch auf Strukturen im Fels konzentrieren

Findet: Regen toll

Kann: keine Hangwaage

Interessiert sich besonders für: die Natur, Blumen, Fossilien

Klettert am liebsten: Garnicht 😊 Ich bouldere lieber (im Tessin)

Liebt beim Klettern: unkonventionelle Lösungen für verrückte Züge. Bei der Problemlösung über den Tellerrand hinaus zu blicken und ganz eigene Lösungen finden

Wünscht sich: mehr Respekt gegenüber der Natur

Mile, als Erstes, wie geht es Dir?

Du bist ja Mutter geworden, wie vereinbarst du Kind und Klettern?

Kind kommt mit 😊 Nein es hat sich schon einiges verändert. Jetzt steht natürlich Ida an erster Stelle und nicht mehr das Klettern. Wir haben gelernt unsere Zeit am Fels effektiver zu nutzen und genießen es dann umso mehr. Unsere Kleine liebt es

Mirit „Mille“ Heyden in „New Base Line“ (8B+) Foto: (c) Matti Staniek

zum Glück auch draußen zu sein.

Dein schönster Moment war?

Privat natürlich die Geburt unserer Tochter und all die großen Augenblicke (das erste Mama, die ersten Schritte…).

Im Bouldern gibt es zwei sehr prägende Erlebnisse: Das war zum einem der Durchstieg von „La Mouche“ in Fontainebleau und die Begehung von „New Base Line“ in Magic Wood.
La Mouche (7B+) war mein erster Boulder, bei dem die Freude an der Linie über dem Respekt davor stand. Es war damals deutlich über meinem Grad, aber ich wollte die Linie unbedingt klettern und so saß ich einen ganzen Urlaub nur unter diesem Block. So ähnlich war es dann auch bei New Base Line. Wenn man so ein Projekt dann klettert, ist die Euphorie unbeschreiblich!

Hast du noch andere Sportarten, die dir wichtig sind?

Ich mache noch gerne Yoga, aber eher zum Ausgleich.

Und wie stehts mit Trainieren?

Das ist jetzt so eine Sache mit Kind 😊 Eigentlich trainiere ich gerade nicht speziell, wenn ich Zeit für mich habe, dann gehe ich lieber mit Freunden bouldern/klettern.
Vor Ida habe ich mit meiner Mädelgruppe gebouldert und trainiert. Ich trainiere gerne mit anderen Mädels, das macht immer unglaublich viel Spaß! Außerdem gibt es da keine Ausreden, wenn es die Eine schafft ist klar, dass es für einen selber auch gehen muss
😊

Mirit „Mille“ Heyden in „Sunshinereggea“ (7C) Foto: (c) Matti Staniek

Gibt es im Klettern etwas, das dir leichtfällt?

Anscheinend kann ich recht gut Leisten halten. Es fühlt sich oft aber trotzdem ganz schön schwer an😊

Und was fällt dir schwer?

Das ist leichter! Dynamisch klettern zählt definitiv nicht zu meinen Stärken! Ich habe schon oft den schwersten Teil eines Boulders geklettert und bin dann an einem eher einfacheren dynamischen Zug von Henkel zu Henkel gescheitert.

Welche drei oder mehr Eigenschaften/Stärken, auf die du immer zurückgreifen kannst, leiten dich durchs (Kletter-)Leben?

Nie sagen es geht nicht

Eigene Lösungen finden

Und dran bleiben

Früher habe ich schon oft gesagt: Das ist zu weit, ich bin zu klein, es ist zu schwer etc. Das mag ja oft auch der Fall sein, aber ich habe gelernt, dass es immer eine Lösung gibt. Es dauert oft länger und natürlich ist man auch mal kurz gefrustet, aber da muss man dann einfach dran bleiben.

Gib es Kriterien, die für dich entscheidend sind, damit du dich dann so richtig motivieren kannst?

Ja bei mir ist die Linie entscheidend. Wenn die Linie mir gefällt, dann bin ich immer motiviert! Da ist es auch ganz egal, was für ein Grad das ist. Daher klettere ich auch sehr gerne ohne Topo. Einfach einsteigen und genießen 😊

Hast du noch Kletterträume?

Man sollte nie aufhören zu Träumen! Es gibt da schon noch einige Linien, die mir im Kopf rumschwirren, viele davon im Tessin. Dort gibt es einfach noch so viele tolle Linien. Momentan genieße ich es aber viele neue Gebiete anzuschauen und zu konsumieren!

Hat bzw. hattest du für dein Klettern/ dein Leben jemand, der für Dich Vorbild/Inspiration ist?

Ich bin von allen starken und selbstbewussten Frauen inspiriert. Im Klettersport gibt es so viele beeindruckende Frauen, die ihren ganz eigenen Weg gehen und sich nicht einschüchtern lassen, weder von den hohen Bergen/schweren Linien, noch vor der Männerdomäne.

Hast du Rituale beim/vor/nach dem Klettern?

Eigentlich nicht, aber vor einem Durchstieg setze ich mich vor die Startgriffe und Lächle kurz in mich hinein. Mir hilft das die Nervosität zu nehmen und erinnert mich noch mal dann warum ich das mache: Weil es Spaß macht 😊
Und nach einem Durchstieg gibt es Torte!

Der grauenhafteste Kandidat für einen Klettertag? Was kannst du beim Klettern überhaupt nicht leiden?

Das wäre wohl ein blasierter, selbstgefälliger Macho, der dann noch seine Boxen rausholt und den Wald beschallt. Zum Glück gibt es da nicht so viele unter den Kletterern 😊

Derzeit sind wir ja alle durch Corona ziemlich ortsgebunden. Du als Mutter ja sowieso. Bist bzw. wärst du gerne unterwegs? Als Kletterer? Als Tourist?

Als Kletterer ist man natürlich immer gerne unterwegs! Wir hatten im Sommer das Glück lange frei zu haben und waren da noch/wieder viel unterwegs.
Jetzt fehlen uns allerdings die Tessintrips sehr, aber es hilft ja nichts. Da müssen wir jetzt einfach gemeinsam durch.

Wie bringst du andere zum Lachen?

Wenn sie mich auffordern, meinen Bizeps zu zeigen. Anscheinend mache ich das irgendwie falsch und das sieht wohl sehr lustig aus 😊

Und wie können andere dich zum Lachen bringen?

Das ist nicht schwer, ich lache gerne!

Hören, sehen, lesen oder Tun? Welcher Typ bist du?

Lesen

Wie sieht der perfekte Tag im Leben von Mille aus?

Der perfekte Tag würde mit einem ausgiebigen Frühstück mit Kaffee und Müsli, bei strahlendem Sonnenschein vor dem „Busle“ starten. Danach bouldern mit Ida, Matti und Freunden. Ein leckeres Abendessen, vorzugsweise Spätzle mit Soße und ein Gläschen Wein für den Ausklang.

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