Simon Gietl und Andrea Oberbacher mit „Phoenix“ (WI 5+ M6; 450 Meter)

Die Südtiroler Simon Gietl und Andrea Oberbacher haben eine schöne und schwierige Mixedroute in der Nordwand der Hochbrunnerschneide in den Sextner Dolomiten eröffnet. Getauft wurde die Erstbegehung auf den Namen „Phoenix“.

Bereits einige Tage vor der Erstbegehung hatte Simon Fotos und Postings einiger seiner Freunde genau betrachtet. Da die „Menschenfresserrinne“ zu dieser Zeit im perfekten Zustand war, war sie verständlicherweise Anziehungspunkt für zahlreiche Steilrinnen-Liebhaber. Dabei ist ihm die augenscheinliche Eislinie sofort aufgefallen. Zusammen mit Martin Niederkofler und Florian Harrasser wollte er sich die Bedingungen vor Ort genau ansehen. Die Wettervorhersage für die kommenden zwei Tage waren noch relativ akzeptabel. Am Montag sollte es allerdings starken Schneefall insbesondere in den Südstaulagen geben. Dies bedeutete unweigerlich, dass in den Sextener Dolomiten eine große Menge an Neuschneefallen würde. Deswegen entschied er sich so zügig wie möglich in die Eisspur einzusteigen. Bereits am Tag nach der Erkundungstour stand er gemeinsam mit dem Bergführer Andrea Oberbacher aus Kolfuschg am Einstieg der imposanten Linie. Mit Andrea konnte Simon bereits zahlreiche Fels- und Eisrouten erstbegehen.

Bei klirrenden -16 Grad starteten sie bereits um 4.30 Uhr in Sexten. Nach circa drei Stunden Zustieg standen sie am Wandfuss. Eine 400 Meter lange Traverse führte sie schließlich zum Einstieg der beachtlichen Eislinie. Diese eindrucksvolle Eisformation führte schlussendlich entlang sechs Seillängen direkt auf den Gipfel der Hochbrunnnerschneide.

„Die ersten Meter gestalteten sich unkomplizierter als zunächst gedacht“ erzählt uns Simon. „Anfänglich hatte ich sogar mit einer heikleren Eisauflage gerechnet. Aber zunächst gestaltete sie sich recht gut kletterbar. Das einzige Problem war die Möglichkeit sich abzusichern. Auf diese Weise konnten wir in der gesamten Tour auch nur eine Hand voll Eischrauben setzen. Glücklicherweise konnten wir die langen Runouts mit Placements im Felsen etwas entschärfen“. Alle Stände wurden entweder mit Normalhaken, Friends oder an Sanduhren eingerichtet.

Sechs lange Seillängen führten sie schlussendlich in einen steilen Schneekanal. Dieser war ungefähr 100 Meter lang und technisch bedeutend einfacher als die heikle Eiskletterei zuvor. Delikater Pulverschnee und haufenweise Spindrifts ließen die Konzentration und anstrengende Kletterei nicht schwinden. Um 14.40 gelangten die Zwei auf das Gipfelplateau. Nach dem Gipfelselfie und einem kernigen Händedruck ging es wieder zügig zum Abseilmanöver entlang der Aufstiegsroute. An Abalakov Sanduhren und den zuvor eingerichteten Standplätzen ging es zum zurück zum Einstieg. Um 17.00 erreichten sie wieder den Wandfuß. Im Lichtkegel ihrer Stirnlampen stiegen sie zum Ausgangspunkt in Sexten ab.

„Die Route ist wirklich fantastisch“ fasst Gietl die Charakteristik der Route zusammen. „Zudem war es ein schönes Geschenk zum Jahresende. Die Route ist sehr lohnend und ebenso empfehlenswert. Allerdings nicht zurzeit; nach den heftigen Schneefällen der letzten Tage ist die Lawinensituation einfach zu heikel. „Schon der ausgesetzte und steile Zustieg zum Wandfuß sollte nur bei sicheren Konditionen ins Auge gefasst werden“: meint Simon. Nach ersten Informationen wurde die Linie bereits einige Jahre vorher von einer einheimischen Seilschaft probiert, aber aufgrund ungünstiger Bedingungen abgebrochen.

 

Text und Fotos: (c) Simon Gietl

Staatlich geprüfter Berg- & Skiführer

+39 347 4474950

www.simongietl.it

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