Martin Feistl und David Bruder mit Erstbegehung “Stalingrad” (M8, WI7, 740hm/1000 m)

Dem kongenialen Gespann Martin Feistl und David Bruder ist mit “Stalingrad” (M8, WI7, 740hm/1000 m) an der Grubenkarspitze im Karwendel kurz vor Weihnachten, am kürzesten Tag des Jahres, wieder ein absoluter Knaller gelungen. Es dürfte eine weitere Steigerung nach den Routen  „Pandora“ (600m, 5, M6, WI6, FFA), „Cold Fusion“ (950m, 7-, M8, WI5+, onsight), „Sagzahnverschneidung“ (800m, M6, WI6, FFA), „24 hours of freedom“ (300m, M6, WI4, X, FA) sein. Für die derzeit wohl beste Seilschaft in den Ostalpen war es ein psychischer und physischer Grenzgang. Das kann man den Bericht von Martin Feistl gut entnehmen.

Bereits 1992 gab es einen Visionären Versuch von Franz Prechtold mit Frank Weiser. Nach Erkundung durch David Bruder im April 2016 gab es zwei Versuche von ihm zusammen mit Florian Hübschenberger im Winter 2018.

Fotos: (c) Martin Feistl und David Bruder

Ausrüstung: 10 Eisschrauben (kurze),ein Satz Totems + #3, Satz Keile, etwa 15 H (von Messer bis Profil-), dazu 5 Pecker und 2 Icepitons (fürs Gras), Hammer, 60m Halbseile

Beschreibung der Seillängen von David Bruder:
Die Beschreibung reflektiert die vorgefundenen frühwinterlichen Bedingungen mit nur wenig, gut gesetztem Schnee (ca. 25cm kompakte Schneedecke im Tal) und einiger Eisbildung in den steilen, schweren SL. Vorausgegangen Witterung: Schnee im September, wechselhaftem Oktober, warmen, trockenen November mit viel Strahlungswetter und einiges an Schnee Anfang Dezember mit nachfolgend wiederkehrenden Fönwetterlagen mit hohen Lufttemperaturen und Strahlungsnächten. Die Lufttemperatur oberhalb der talnahen Kaltluftschicht lag am Tag der Erstbegehung um den Gefrierpunkt.

Bei hoher Schneelage, wie im Spätwinter im März 2018, wurde in den ersten Längen steiler, verfestigter Schnee und in den steilen Stücken einiges Eis mehr angetroffen, der Kessel unter „The Block“ war unguter, relativ lockerer Schnee – hier wären „Flügel“ a la Cerro Torre sehr willkommen gewesen. Der Vorbau und die Stufe in SL 3 waren unter den Schneemassen verschwunden (70°) , das gleiche scheint für die kürzeren Stufen oben wahrscheinlich (u.a. SL7, 8, 10, 12, 15, 16). Die Route wäre damit einiges leichter und schneller begehbar (wenn SL 4, 5 und 6 machbar sind). – allerdings war extreme Spinndrift ein ernsthaftes Problem.
Der Bewertungsvorschlag kommt vom jeweiligen Vorsteiger – die Absicherungskomponente der WI-Skala kann nur dieser (halbwegs) einschätzen.

SL1: Eisspur gerade durch den Vorbau (wenn vorhanden) etwas links der eigentlichen Linie zu flacher Rampe: (WI3, 120m). Solo oder ZS im Eis. Bei hoher Schneelage einfacher von links über Schneerampe (40-50°)
SL2: Die flachere Rampe entlang der Pfeilerwand aufwärts bis zu Engstelle/Stufe (45°, 40m, Stand im Schnee/Eis)
SL3: Steiler Schnee und eisige Stufe zu Verflachung und hinauf bis die Rinne aufsteilt (60-90°, bei viel Schnee keine Stufe, Stand im Eis)
SL4: Die steile Rinne hinauf zu Engstelle und weiter in den Kessel unter „the Block“. Stand möglichst weit links oben (Alternativ: Schützengraben ausheben?), übler Eisschlag vom Vorsteiger! (40m, WI5 bei 75-90°, Stand im Eis, zusätzlich H rechts)
SL5: Linkshaltend zu Sprühkegel und diesen hinauf. Im betont senkrechten, luftigen Eis zum linken Rand von „the Block“. Die Kaminverschneidung hinauf und weiter in der linken Wand der Verschneidung bis zu Absatz (50m, WI7, M6, 3 H oben, heikel und exponiert; Stand an Riss mit H, Pecker)
SL6: Die etwas linksgeneigte, steile Verschneidung hinauf bis zu Verflachung mit gutem Eis. Sicherungen im Eis links, im Fels des Verschneidungsgrunds oder rechter Begrenzungswand. Heikle Kletterei an grenzwertig dünnem Eis, wenig festem Schnee und strukturarmen Fels. (60m, WI6/M6)
SL7: Noch einige Meter im Eis hinauf zu breiter Schneerinne. Zum Abschluss steiler Schnee/Eis zu Gufel – Biwak denkbar (30m, WI 3 und 45°, zum Schluss steil; Stand an Fr /Schlingen in Gufel)
SL8: Nach links aus der Gufel hinaus und über Dach zu Eisspur (M8, das vorhandene Säulchen reichte nicht zum sicher Klettern, Stelle wäre damit deutlich einfacher). Die Eisspur über Stufen von ca. 75° hinauf zu Stand im Eis (60m, M8 und 60-75° im Eis/Schnee)
SL9: Die breite Schneerinne hinauf, teilweise Felskontakt. (90m, 45°; Stand an schlechtem H)
SL10: Weiter in der Schneerinne bis zu kombinierter Stufe, hier ZS an H möglich. Die Stufe hinauf (M4) und weiter in Schnee/Eisrinne und über 10m-Stufe (Eis/Schnee, WI4/85°) zu Stand im Eis (90m)
SL 11: Die Schneerinne hinauf bis Steilstufe (90m, 50°; ZS an H, Stand an Eisschraube + Backup-Grashaken)
SL12: Die Eis/Schnee-Stufe hinauf (10m, WI4/85°) und weiter in breiter Schneerinne (90m, ZS an Pecker, Stand an 2 H)
SL 13/14: In der Rinne hinauf, die letzte Länge etwas links haltend bis unter kurzen Felsriegel (2x60m, 50°, Stände im Fels)
SL15: Den Felsriegel rechtshaltend hinauf (Grashaken am Beginn möglich) und weiter im steilen Schnee unter den Abschlusspfeiler (60m, M3-4, 55-65°)
SL16: einige m im steilen Schnee zu Felsstufe unter markanter, großer Gufel. Die Stufe bildet mit dem Abschlusspfeiler rechts eine kurze Verschneidung. Diese hinauf und durch die Wächte zu Stand in der Gufel an Friends (20m, M6 und A1 oder M7)
SL17: Die eindrücklich steile Abschlusswand löst sich gut auf: Die Gufel nach rechts verlassen und über Rampe/Pfeilerchen (1 H) hinauf und einige m steilster Schnee, dann Fels hinauf (H und Grashaken möglich). Ein schmales Schneeband (Friends) ermöglicht Querung zu kurzer Kaminrinne rechts, dann an der brüchigen linken Pfeilerkante hinauf zu steiler, breiter werdender, teilweise felsiger Schneerinne. Diese hinauf zur Gratscharte. Stand an großen Blöcken (55m, M5 und 60-75°, expo)

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