Routenbericht: Höllental-Schwarze Wand „Direkte NW-Wand“

Martin Feistl berichtete über seine Erstbegehung „Flugmeilengenerator“ im Höllental an der Schwarzen Wand und nun noch ein Begehungsbericht der klassischen direkten Nordwestwand in derselben Wand von David Bruder:

Selbstversuch: Mit Konter-Bier hab ich jetzt nicht so DIE Erfahrung, warum aber nicht ein Konter-BERG? Vll kein ganz grosser, und nicht so weit weg wie Meije und Bare des Ecrins. Die Schwarze Wand flog 14 Jahre unterm Radar, wieso also nicht das zweite Mal in 14 Tagen? Recht nahe zu Fahren (nicht kurz, zumindest nicht bei Start um 900 an einem Feriensonntag), keine 2000 m hoch (dafür 400 m immer schön +/- senkrecht), schön einsam (die Wand, der Zustieg eher wie auf dem Stachus bei Freibier…ich bin nicht nur über meine eigenen Füsse (immer noch/schon wieder müde?) und Schuhe (neue … hat Scarpa den Leisten geändert? Das wäre ein Desaster!), sondern hauptsächlich über die Unmengen an Touristen – gar nicht so einfach zu überholen in der Klamm!) und mit der klassischen „Direkten NW-Wand“ (400m, 10 SL, etwa 8/A0) ein adäquates Ziel. Sven ist dabei, zum Konterberg also erst Mal über das Konter-Bier (Radler…nix übertreiben!) an der renovierten Höllentalangerhütte. Besonders schnell sind wir nicht, aber irgendwann stehe ich unter der 2ten SL – nach 20m 5+ (links! Klassisch-brüchig-rissig, NICHTzu BH gerade hoch!). Ob die 8- ist, werde ich heute nicht rausfinden, aber dass sie gut 6/A0 geht. Dann 5+ (der Grad scheint hier irgendwie zu bedeuten „nicht wirklich schwer, aber irgendwie ist seltsam und brüchig… und auch nicht wirklich ganz leicht“) und wirklich abwechslungsreiches 7er Gespiele, geht mit etwas schauen ganz lässig. Die ersten Tropfen fallen aus dem blauen Himmel?! Egal, erst Mal 5+ zum Dritten – s.o. Dann das 8er-Bohrhakenwandel – entspanntes Nullen an alten Sticht-BH mit eingestreuten neuen Bohrhaken vom Xari. Wäre sicher eine interessante Freikletterübung, aber nicht für mich, nicht heute. Jetzt folgt, ihr werdet es nicht glauben, weil wieder 5+. Dann stehen wir unterm „Säbelriss“, überhängend, schwarz, dreckig, breit – Herz was willst du mehr? Risshandschuhe vielleicht? Sind daheim geblieben, und Tape und Geduld reichen nur für die linke Hand. Reicht aber: Man klemmt, piazt, greift, spreizt sich nach oben, an Haken und wenn man die morschen Holzkeile durch Friends ersetzt brauchbar gesichert nach oben. Im Vergleich zu der Bewertung der Hakenleitern (8 -, 8) mit 7+ sicher hart bewertet – wobei es eigentlich ungefähr passt, sprich: die Wandl sind für mich (zu) hart. Noch eine rissige 7-, ähnlicher Style. Jetzt fehlen nur ein paar Meter im sechsten Grad, bevor es ihr leichter zum Grat geht. Es wölkt und grummelt aber ringsum, Sven macht deutlich, dass es für ihn überhaupt kein Problem wäre abzuseilen. Also die schon geschaffen 2 m wieder zurück und runter mit uns! Keine Minute zu früh, aber 20 davon zu spät: in den letzten zwei Abseilen werden wir noch richtig nass, aber dafür kann man das Spektakel, das durch das Tal tobt, von der Höhle am Einstieg hervorragend und trocken bewundern: „Ira furor brevis est“ – eine halbe Stunde, und das Tal hat Ruhe von oben, ist halt nur tropfnass. dafür gibt’s rechts der Wand einen schönen neuen Wasserfall ca. 100m hoch!) , und links eine wirklich beeindruckende Wassermassenkaskade (über 200m, und richtig viel Bums dahinter!) – aus dem trocknen Talboden wurde ein reißender Bach…irgendwie schaffen wir es zu Hütte (nee, keine Helden – Motivation ist alles: ) zur Gulaschsuppe und noch einem Radler und irgendwann auch staufrei nach Hause. Heute probiere ich dann doch lieber mit klassischer Sofa-Erholung 😳😁
Info: halb vergessene Klassiker aus der Eisenzeit (1967), durchaus spannend. Dank der sanften Sanierung von Xari weitgehend angstfrei, sogar spaßig – robustes Alpingemüht und Freude an second-class-fun vorausgesetzt.
Ein Rückzug durch Abseilen immer möglich – wenn auch durch die Steilheit nicht ganz easy: vom Stand SL 9 (hierher vielleicht besser einmal kurz abseilen) kommt man mit 50 m bis auf das Podest vor dem Säbelriss/Stand SL7 – allerdings etwas zu tief und links und nur grad so. SL 7 schräg runter, bissl anpendeln – Achtung, der Knoten könnte im weichen Graspolster unterm Stand fressen! Und: nicht weiter, weil man hängt dann ganz schön frei und zu weit rechts!. BH-Wandl und die SL 5 geht auch in 50m – ebenfalls grad so, ebenfalls anpendeln (ich hab sogar zwischenfixiert – man kommt sonst zu weit rechts raus) Dann SL 4+3 – haben wir zwar nicht gemacht, weil der Stand SL 4 (ja, anpendeln!) so schön trocken&geschützt war, sollte aber gut gehen. Von dort (Stand SL 2) sind es knapp 40m überhängend zum Band.
Topo findet der interessiere Aspirant im Netz der Üblichen Verdächtigen: https://www.bergsteigen.com/…/k…/schwarze-wand-nordwestwand/
Warum das allerdings NW-Wand heißt, keine Ahnung. Um 18:00 kommt die Sonne ums Eck – also wenn sie fast ganz im Weste steht – ist also eher eine NNWNN-Wand. Vielleicht, weil dir Route durch den westlichen Teil der Nordwand geht? Wäre logisch, stimmt aber auch nicht so wirklich… EGAL. Also: Das die Angabe „11 BH und einige Normalhaken“ schafft Unklarheiten: es sind sicher einige male mehr NH als BH drin – und dazu ca. 25 – 30 alte Stift-BH (Stände und insb. SL 4, 6). Ich würde die Bewertung 6+/A0 – Das A0 an H und Holzkeilen, besser Friends) vorschlagen – ja, auch weil das immer passt . kann natürlich auch den siebten Grad obligat touchieren, ist aber wurscht: Wer einstiegt, sollte etwas reserven haben, sonst dreht er eh bald rum. Hängt auch damit zusammen, dass „Felsqualität bis auf wenige Ausnahmen sehr gut“ jetzt nur mit Kontext (richtig) zu verstehen ist : „….zum Klettern, Fürchten und Souveniersammeln …. sehr gut“, also nicht zwingend „eisenhart, bombenfest und verdonesk“. Oder halt: Lokal-Patriotismus. Passt scho – auch die Materialangabe: wer Risse „kann“, kommt ohne doppeln aus; wer nicht, nimmt lieber ein bissl mehr mit.

Text und Bilder: (c) David Bruder

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