David Bruder: Ohne Worte oder Die Matterhorn-Nordwand

Wir werden jetzt in loser Folge, Tourenberichte David Bruder veröffentlichen. Diese alle mal lesenswert. Wir würden uns über Rückmeldungen und auch eigenen Berichte freuen :-). Wer mehr über David erfahren möchte, findet etwas unter mehr unter www.bergeweise.de. Hier nun der erste Bericht:

„Ohne Worte“ wollte ich eigentlich schreiben (also nichts schreiben), weil … Mir kommts vor, als geht’s nur ums Bild… bzw. das, was Photoshop und Co draus machen 🤔. Aber wer weiß, am Schluss erkennt’s ihr nicht mal den Berg… Zu selbigem bzw. dessen Nordwand mit der gängigsten, berühmt-berüchtigten und olympia-goldenen Route gab’s ja schon genug Infos, Gepos(t)e, Diskussion über Vor und Nachteile des selbigen, inklusive Überlegungen zu Gruppenbusreisen und Platzreservierung, etc. nun, so viel kann ich sagen: Wir waren am Montag die einzigen, die das ganze versucht haben, zu verifizieren… Naja, bei angesagten über 30°C im Tal ex-post keine Überraschung…also: Nach diversen Diskussionen bin ich mit Stefan doch angerückt – „stilecht“ mit Rad und Biwak (naja, Rad ab Täsch, mit e- davor…also nicht ganz von München und nicht ganz fair means :-). Die Nacht von Sonntag auf Montag war wie angekündigt und erhofft klar, allerdings ausgerechnet nicht am Horn: aus Italien hat sich doch tatsächlich so ein Gewitter zum Berg migriert, dass uns im Biwak auch ein paar Tropfen bescherte (kann der Seehofer nicht mal gegen diese Art von Migration aus Italien was machen?). Bin also eher widerwillig los, „mal schauen“, weil sonst war der ganze Anfahrtsstress (irre Horden von Zweirädern auf dem Furka – die ganze Schweiz war da, mit Motorrad, Vespa oder Fahrrad…mit noch irrerem Fahrstil) umsonst … wie das „mal schauen“ endet, war fast abzusehen: am Gipfel, weil sonst war das anstrengende Zusteigen umsonst ;-). Wo war ich? Ach ja, jedenfalls nix Abstrahlung, Zustieg und Eisfeld sumpfig bzw. ohne dauerhaft tragende Spur, die Querung zum Zustiegslänge der Naht wie von C. Klein(film) beschrieben, eher ein Geeier mit Fels und bei uns abgelösten Eis… Selbige Länge hat Christoph ja auch schon als die schwerste beschrieben: Mit bloßen Fingern, Sonne und Chalk ist vielleicht nur hart 4+ (vielleicht, weil Sonne und bloß hatte ich, nur das Chalk fehlte). Dafür guter Fels und ebensolche Absicherung. Wir sind weiter in trockenem, guten Felsen rechts raus und nach links zurück in die Naht (gab H, max. 3, ist auch im ersten Eintrag so gezeichnet). Ob das bei ordentlicher Vereisung gut und schnell direkt geht, Marcel? Die Naht selbst ist ja mehr so ne Rampenverscheidung – und die ist schattig, da war tiptop Softeis, Syroporschnee und Tritt-Firn (also: Firn mit Trittstufen…) – dazu immer wieder H und Stände – ausser im Abschluss-Kamin (brüchig, hakenfeindlich), der ist aber mit WI3(+?) gar nicht weiter aufgefallen… Die Querung nach rechts zum Wasserfall, äh Eisfall, war selbiges das Problem: nicht, dass es gefehlt hätte (es war genug da, mit Stufen…): es kam viel davon von den Gipfelsteilstufen herab (zum Glück eher die Crushed-Variante und nur einmal in Verbindung mit silikatbasierten Feststoff, und selbiger in hohem Bogen weit draussen -> war grad noch vertretbar, in einer zügigen SL… (Eis-Fall-Länge :-). Der Eisfall war super-soft-ice (der alte Grieche sagt „panta rhei“), naja: zum Glück einige H rechts im Fels, hält schon…und gleich gequert (Stand 20m rechts auf Platte), weil: dann fehlt“nur“ noch der Abschlusshang mit vielen, vielen Trittstufen und der Grat…für uns zog sich das gewaltig, aber mei, zum Mittag waren auch wir oben.
Fazit:
0. Stefan, gratuliere zu Nr. 2 von 3 … und die Jorasses machen wir auch noch, nach einer unserem Alter entsprechenden Regenerationsphase von mindestens einem Jahr…
1. Wie hat der Franz so schön gesagt: „Wie die Verhältnisse sind, beurteilst am besten vom Ausstieg aus“ (nach dem Durchstieg, logo) – Superbombehammer ist wohl ganz ok 🙂
2. Die echte Herausforderung der Tour ist wohl eher die richtigen Verhältnisse – dass das auch dank dieser Einrichtung hier einfacher wird – akzeptiert. Und ganz prima, für nen wenig-Zeit-und-gar-keine-für-x-Versuche-Typ wie mich…
3. Jetzt müsste jemand die schönen Stufen wieder frei legen, nach dem Hagelschauer im Bild…ob der Temperaturschock gegen das „alles fließt“ hilft, bezweifel ich mal. ne kleine Eiszeit wäre sicher nützlicher…
4. Mein erster Versuch mit Arne Bergauund Erdmann Käppeler vor etwa 10 Jahren war gar nicht so verkehrt – die Eisrinne zur Hörnli-Schulter raus (ab Ende Naht – mit rechts und links hab ichs nicht so) war länger steil und dafür brüchiger als der richtige, rechte Rest.
5. Ach ja: der Hörnligrat ist schon top – unten warm und trocken, der wenige Restschnee stört unten nicht (gute Spur für Stiefel ohne, ab den Fixseilen gute Spur im Schnee mit Eisen)…nix los (noch!)!
6. Und: Wieso regen sich die Leute/die Bild über 15 Tonnen Scheisse am Everest auf, wenn nicht mal die Schweizer an ihrem berühmtesten Berg auf der beliebtesten Route die einzige Biwakschachtel sauber halten können?

Text und Bilder: David Bruder

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