"Everything is relative" - Oder die Schwierigkeit Routen zu bewerten

Mit der symbolische Bewertung seiner Route „The Lonely Mountain“ und einem Post auf Instagram hat Stefano Ghislofi eine alte Diskussion über die Bewertung von Kletterrouten angestoßen.

Nach erfolgter Abwertung verschiedener Routen, wie „King Capella“ oder auch seiner eigenen Route „Erebor„, macht sich Stefano über seine zukünftigen Routenbewertungen  So will er nur noch drei Grade verwenden: „Passo, non passo, tribolo ma passo“ „Geht, geht gar nicht oder geht gerade so“. Ähnliches war ja schon John Gill zu lesen mit seiner dreistufigen Boulder-Skala (B1-B3). Die Bewertung B1 steht dabei für einen Schwierigkeitsgrad, bei dem das Boulderproblem schwerer als eine äußerst schwere Kletterroute im Toprope-Stil ist. B2 sollte deutlich schwerer sein als B1 und B3 wird vergeben, wenn ein Boulder ein einziges Mal von einem Kletterer bewältigt wurde. Folglich musste dies Skala immer  wieder angepasst werden und war letztlich zu starr.

Dazu vielleicht folgende Gedanken: Die Diskussion über den Schwierigkeitsgrad einer Kletterroute ist so alt wie das Klettern selbst. Neben den oben genannten Routen wurde ja auch die Toproute von Alexander Megos „Bibliographie“ von 9c auf 9b+ abgestuft und dies von Stefano selbst.

Auch um die erste 9a der Welt streiten sich mit „Hubble“ und „Action Directe“ zwei Routen, nachdem es lange so aussah, als wären deren Einstufungen mit 8c+ bzw. 9a fix. Letztlich zeigt sich erst  nach mehreren (überschneidenden) Wiederholungen die „wahre“ Schwierigkeit.

Letztlich hat sich die Bewertung immer nivelliert und angepasst. Bestes Beispiel ist die „Weiße Rose“ von Alexander Huber, welche so nachträglich zur ersten 9a+ gekürt wurde. Verwirrenderweise kommt noch hinzu, daß sich über verschiedene Gebiete und Zeiten verschiedenen Skalen entwickelt haben. Einige passe gut für das Sportklettern andere sind eher für lange Routen oder Trad-Routen geeignet.

Das Problem ist, dass es immer objektive und subjektive Beurteilungen einer Route gibt. Objektiv wird die Bewertung in Technik und Kraft unterteilt. Zum Beispiel ist eine sehr überhängende Strickleiter technisch sehr einfach, erfordert aber viel Kraft.

Meist spielt auch die Absicherung einer Route eine Rolle, Muss man selbst absichern, wir es meist schwerer, da man die Sicherungsmittel selbst legen muss.

Bei den subjektiven Kriterien spielen Kraft, Beweglichkeit und Tagesform eine Rolle, aber letztlich ist alles relativ.

Zusammenfassend kann man sagen. Der Erstbegeher hat das Recht eine Schwierigkeit vorzuschlagen. Die Wiederholer natürlich auch das Recht die Route umzustufen.  So war es und so sollte es bleiben. Bitte seit alle nicht zu streng miteinander und nehmt es Euch nicht krumm. Und bitte bewertet weiter Eure Erstbegehungen. Es geht nur um die schönste Nebensache der Welt.

So entwickelten sich übrigens die Schwierigkeiten der Kletterrouten über die Jahre.

Foto: (c) Adam Ondra in der wohl derzeit schwersten Route der Welt – Silence (9c)

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