Erstbegehung am Tengi Ragi Tau Nord durch Symon Welfringer und Silvan Schüpbach

Französisch-schweizer Seilschaft begeht eine neue Route auf den etwa hohen 6820m, wahrscheinlich bislang unbestiegenen Nordgipfel des Tengi Ragi Tau. Die Route führt durch steiles, kombiniertes Gelände durch die Westwand.

Am 8. Oktober 2019 errichteten Charles Noirot (FRA), Symon Welfringer (FRA) und Silvan Schüpbach (SUI) das
Basislager am Rande des Trakarding Gletschers auf 4700m. Während der Akklimatisationsphase
beobachetete das Trio die erste Begehung der Westwand durch die Amerikaner Tino Villanueva und Alan
Rousseau. Mit dem Wissen, dass die zentrale Westwand nun bereits durchstiegen worden ist, entschieden
sich die drei Kletterer eine Linie weiter links zu versuchen um nicht den Hauptgipfel sondern den Nordgipfel
zu erreichen. Am 16. Oktober kehrt das Team, nun gut akklimatisiert, zum Basislager zurück. Charles
erkrankt am nächsten Tag und bleibt für die restliche Zeit zu geschwächt fürs Klettern. Einen ersten Versuch
am Berg müssen Symon und Silvan wegen Schneefall und Wind abbrechen. Die zwei müssen sich einige
Tage gedulden, bis das Wetter wieder stabiler wird. Am 26. Oktober ist es dann soweit und die beiden
Bergsteiger können endlich loslegen. An diesem ersten Klettertag klettern die zwei Alpinisten zwei Seillängen
Steileis, um die bis 60° steile Schneeflanke zu erreichen. Nun weniger anspruchsvoll, kommen die beiden
gut voran und finden einen Biwakplatz auf ca. 6100m. Wind und Spindrift sorgten bislang für frostiges Klima
aber am zweiten Tag wurde das Wetter gut. Die aufsteilende Wand sowie die dünner werdende Luft
verlangsamten den Aufstieg. Nach langem Suchen konnten die beiden – mit dem letzten Tageslicht – einen
Biwakplatz etwas Abseits der Route finden.

Silvan: „Ich klettere eine weitere Seillänge hoch, weil ich meine,
ein Podest gesehen zu haben. Mist, auch nichts! Ich klettere wieder ab und quere auf einen Schneerücken
mit der Absicht ein Podest zu graben. Doch unter dem Schnee kommt sofort Eis, das würde sicher 4
Stunden dauern bis man hier das Zelt aufstellen kann… Ich werde langsam nervös, denn wenn wir nichts
finden, müssen wir sitzend biwakieren. Plötzlich entdecke ich in der Seitenwand unseres Couloirs eine kleine
Nische. Symon führt eine anspruchsvolle Seillänge hoch und tatsächlich, ein guter Biwakpatz! Was für ein
Glück. Ohne dieses Biwak wären wir wohl am nächsten Tag nicht erholt und bereit für den langen Gipfeltag
gewesen.“

Am dritten Tag starten die beiden vom Biwakplatz auf ca. 6450m. Sie lassen die Biwakausrüstung zurück
und steigen über senkrechtes Eis und technisch anspruchsvolle Felspassagen. Kurz vor dem Gipfel fordern
fragile Schneerippen und ein letzter Felsaufschwung noch einmal alle Kräfte. Dann stehen die beiden
endlich auf dem geräumigen Gipfelplateau, welches gemäss Höhenmesser 6820m hoch ist. Da es bereits 16
Uhr ist, verlieren die zwei Alpinisten keine Zeit und beginnen mit dem Abseilen. Mit Hilfe der Stirnlampen
erreichen die beiden ihr Biwak 4 Stunden später. Am vierten Tag seilen die zwei Kletterer die letzten 1000m
zum Wandfuss ab. Symon und Silvan erreichten das Basislager einen Tag vor der Abreise.

Facts:

Tengi Ragi Tau (ca. 6820m)
Rowaling Himalaya, Nepal
Neue Route durch die Westwand: Trinité, 1400m, M6, AI 5
26.-29.10.2019 durch Symon Welfringer, Silvan Schüpbach

Text: (c) Silvan Schüpbach

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