Peter Brunnert schreibt Klettergeschichte(n)

„In dieser Sekunde hängt dein Leben an deinem Mittelfinger.“

Still und leise sitzt Peter Brunnert – man kennt ihn von seinen Klettergeschichten – mit seiner liebsten Frau Beata im hintersten Eck des Publikums bei den Sommerbergsichten auf dem Aktivhof von
Torsten Roder Ilka Sohr in Porschdorf. Bescheiden ist er schon immer gewesen. Und auch jetzt- nach seiner fast legendären , aber auch wahnsinnig gefährlichen, sportlichen Höchstleistung am Fels im Elbsandsteingebirge, bleibt er gern dezent. Er prahlt nicht, er zehrt nur von seinen Erfahrungen.
Was da aber jetzt im Film von Alex Hanicke über die Leinwand flimmert, spricht Bände. Das Publikum erstummt und schaut gespannt mit fragenden Blicken, die wahrscheinlich nur eines meinten: Wird das wohl gutgehen?
Alex Hanicke klettert selbst leidenschaftlich gern, fotografiert und dreht auch Filme. Das Projekt fand sofort Begeisterung bei ihm, als Peter ihm davon erzählte, und er ließ es sich nicht nehmen, dieses Unterfangen in Bild und Ton festzuhalten.
Vier Wochen lang haben sie sich vorbereitet, erzählt mir Peter. Sie haben alles genauestens einstudiert. Er sagt: „Es ist ja eine nicht naturgegebene Linie, …, man muss den Fels lesen und spüren. Man muss sich der Linie anvertrauen.“ Natürlich hat er im Vorweg schon die Route mehrmals gestiegen, mit Seil von oben, um die möglichen Tritte und Griffe zu finden und sich zu einzuprägen – ganz so, wie Alex Honnold es bei seiner Free Solo Begehung am El Capitan im „Freerider“ tat. Stefan Glowacz meinte dazu: “ Der Tommy Caldwell hat über die Begehung vom Alex Honnold gesagt: Das ist wie die Mondlandung beim Klettern. Aber ich muss ehrlich sagen, wenn der Peter Brunnert das schafft, dann ist es der Mars und der Jupiter in einem. Wenn er das hinkriegt- und er wird sich da Gedanken gemacht haben – dann muss ich wirklich sagen: Chapeau Chapeau! Dann ist er für mich der absolute Superstar.“
Auch Peters langjähriger Freund Bernd Arnold, eine Legende im Sandstein, sagt: „Ich kenn den Peter ja schon viele Jahre, und ich weiß um sein Projekt. Und wenn er das schaffen würde, …. das wäre quasi eine neue Dimension.“ Er nickt ergriffen und beeindruckt ob der Waghalsigkeit.
Peter selbst möchte niemanden beeindrucken. Er sagt dazu nur: „Wenn man jahrelang im Elbsandstein klettern geht, wächst man mit. Und irgendwann kommt der Punkt: entweder ich entdecke etwas, oder es entdeckt mich. Hier war es letzteres. Diese Herausforderung nahm ich an.“
Er unternahm zwei Versuche. Den ersten brach er ab, zu unwohl fühlte er sich, es war nicht der richtige Tag, nicht die richtige Temperatur, der Kopf war nicht bereit. Nicht umsonst machte sich seine Frau Beata Brunnert Sorgen derweil, dass er wirklich heil zurück kommt. Aber sie vertraute ihm, schliesslich unterstützt sie ihn in allen Lebenslagen. Über den Wahnsinn mochte sie aber lieber nicht sprechen.
Der zweite Anlauf… sogar barfuß, um den Felsen zu spüren… zielsicher stieg er diese steile Wand hinauf… teilweise nur ein Loch, wo gerade mal nur der Mittelfinger rein passte, um sich auszutarieren, den nächsten Zug machen zu können. Schmerzerfüllt kämpfte er sich aufwärts. …
Das Publikum der Sommerbergsichten hält die Luft an, die meisten Leute zittern mit. Verzweifelt lachen einige , die auch viel und gut klettern, wohlwissend, dass sie dermaßen beeindruckt sind, und sich so etwas selbst niemals zutrauen würden.
… Wie sagt Frank Meutzner, Kletterer und Bergsteiger, und Initiator der Bergsichten, erfurchtsvoll dazu: „Wir reden hier von einem Weg, der gehört zu den Glanzlichtern in der sächsischen Schweiz, eines der grössten Dinge, wo es nur ganz wenige Menschen gibt, die es bisher überhaupt geschafft haben.“
„Die Wand in mir“ ein packender Film, nein- eine Reportage! von Alex Hanicke über einen sächsischen Kletterer aus Hildesheim, der mit dieser Free Solo Begehung Geschichte schreiben wird.
(2020, Narrenkappe, Alter Weg I, Peter Brunnert)
Zur Person:

Peter Brunnert wurde 1957 im niedersächsischen Hildesheim geboren. Das liegt ziemlich genau zwischen dem Harz im Süden und der Zuckerrübensteppe im Norden, die sich dann fast bis zum Polarkreis fortsetzt, ohne dass man auf richtige Berge stößt. Jungs, die in Hildesheim geboren werden, wollen normalerweise alles Mögliche werden, nicht jedoch Bergsteiger. So ist er dann auch eher durch einen Zufall Kletterer geworden.

Seine vier im Panico-Alpinverlag erschienenen Bücher enthalten neben Selbstverstümmelungs-Grotesken und Hippie-Abenteuern aus den Siebzigern auch zahlreiche Glossen und Satiren, bei denen so ziemlich alle ihr Fett wegbekommen: Boulderer, Radlerhosenträger, Profis, Schnupperkursler und Hardcore-Sachsen. Genau jenen und ihren skurrilen Bräuchen hat er mit den bei Geoquest erschienenen Büchern „Die spinnen, die Sachsen!“ und „Klettern ist sächsy!“ gewidmet.

Mit dem 2017 erschienenen Buch „Bernd Arnold – Ein Grenzgang“ hat Peter ein vielbeachtetes Zeitdokument einer dramatisch verlaufenen Expedition zu den Trangotürmen veröffentlicht, das tiefe Einblicke in die Persönlichkeit dieses Ausnahme-Kletterers zulässt – Adrenalin für die Ohren.

Mehr unter www.peter-brunnert.de

Ein Gedanke zu „Peter Brunnert schreibt Klettergeschichte(n)

  • 10. September 2020 um 12:38
    Permalink

    Hartes Ding. Wird wahrscheinlich ein Muss im Elbsandsteingebirge. Ja, der Peter ist schon ein harter Hund.

    Antwort

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